Musikwissenschaft in Zürich

Begreift man die Frage nach dem musikalischen Kunstwerk in seiner gesamten Erscheinungsvielfalt als den Kern musikwissenschaftlicher Forschung, so ist zugleich ein zentrales Anliegen von Forschung und Lehre am Zürcher Institut definiert, ungeachtet aller darüber hinausreichenden Weiterungen. Eigenständige Teilgebiete des Faches (Musikethnologie, Popularmusik, systematische Musikwissenschaft) sind fester Bestandteil des Curriculums und werden durch regelmässige Lehraufträge abgedeckt. Im Mittelpunkt steht dabei eine möglichst breite, umfassende Ausbildung, die Studenten für den Einstieg in das Berufsleben bestmöglich qualifizieren soll; dazu dient auch das regelmässige Angebot von berufspraktischen Seminaren (wie Orchestermanagement, Musikvermittlung, Operndramaturgie oder Archivkunde). Diesem Anliegen sind eine hervorragend ausgestattete Bibliothek und ein grosses Schallarchiv verpflichtet, ergänzt durch ein ausserordentlich umfangreiches Mikrofilmarchiv, eine Fülle von Datenbanken und Digitalisaten sowie eine Sammlung von DVDs mit Operninszenierungen. Dieser Bestand wird nochmals erweitert durch die grosse Sammlung und die digitalen Recherchemöglichkeiten der Zentralbibliothek Zürich, mit der ein enger institutioneller Kontakt besteht.

Am Institut, das in den aufwendig restaurierten historischen Räumen des Florhofs langfristig sein Domizil besitzt, sind derzeit neben den Professuren noch vierzehn weitere Mitarbeiter tätig. Mehrere Forschungs- und Editionsprojekte waren und sind hier angesiedelt, zudem existiert eine eigene, gemeinsam mit dem Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Bern herausgegebene Schriftenreihe (Schweizer Beiträge zur Musikforschung). Von 2002 bis 2012 wurde am Institut ein umfangreiches, vom Schweizerischen Nationalfonds gefördertes Projekt "Musik in Zürich – Zürich in der Musikgeschichte" durchgeführt. Die entstandene Materialsammlung sowie die Datenbank werden weiterhin von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts betreut. Ferner entstand am Institut, ebenfalls im Rahmen eines vom Nationalfonds geförderten Projekts, der Abschlussband der Arcangelo-Corelli-Gesamtausgabe, der die Violinsonaten Opus 5 enthält. Ferner wurden am Institut mehrere grössere Forschungsprojekte durchgeführt, darunter die Arbeiten zum Catalogue Raisonné "Die Triosonate" (Ludwig Finscher, Laurenz Lütteken), gefördert von der Fondazione Balzan. Über die weiteren aktuellen Vorhaben informieren die Homepage sowie die Forschungsdatenbank der Universität Zürich.

Am Institut wurden und werden zahlreiche Tagungen ausgerichtet, unter anderem im Juli 2007 der 18. Internationale Kongress der International Musicological Society, der erstmals nach fast 60 Jahren wieder in der Schweiz stattgefunden hat. Seit 2003 hat es sechs Habilitationen am Institut gegeben, die alle in ehrenvolle Berufungen an andere Universitäten mündeten. Zudem fanden eine Umhabilitation sowie 2014 die erste Habilitation mit musikethnologischem Schwerpunkt statt. Zahlreiche bedeutende Musiker und Musikforscher sind von der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich zum Ehrendoktor promoviert worden: Friedrich Hegar (1889), Lothar Kempter (1911), Volkmar Andreae (1914), Alfred Reucker (1914), Ferruccio Busoni (1919), Othmar Schoeck (1928), Arthur Honegger (1948), Heinz Holliger (1998), Ludwig Finscher (2003), Andres Briner (2006), Christopher Hogwood (2007).